Funktionsweise von Inventurrobotern
Bevor Sie sich für einen Anbieter entscheiden, sollten Sie die Technik verstehen. Im Kern besteht jeder Inventurroboter aus drei Bausteinen: Sensorik zum Erfassen der Bestände, Navigation zum autonomen Bewegen durchs Lager und Integration in Ihr Lagerverwaltungssystem. Je nach Lösung dominieren unterschiedliche Technologien.
Sensorik - so wird gezählt
RFID
Funk-Erkennung von Bestand: Jedes Produkt trägt einen RFID-Tag, der Roboter liest beim Vorbeifahren ganze Regalreihen aus - ohne Sichtkontakt. Vorteil: extrem schnell, auch verdeckte Artikel werden erfasst. Nachteil: Voraussetzung ist eine durchgehend RFID-getaggte Warenkette. Hauptanwendung: Fashion-Retail, Pharma, Werkzeugbestand. Lösungen: PAL Robotics StockBot, Adasky-ähnliche RFID-Systeme.
Barcode und QR-Code
Klassisches Scannen pro Produkt oder pro Palette. Der Roboter braucht freie Sichtlinie auf den Code. Vorteil: keine Tag-Investition nötig, jeder Artikel mit Barcode ist sofort erfassbar. Nachteil: bei verdeckten oder schrägen Codes muss umpositioniert werden. Hauptanwendung: Paletten-Lager mit standardisierten Labels.
Computer Vision
Kamera-basierte Bilderkennung mit KI. Der Roboter erkennt nicht nur Codes, sondern auch fehlende Produkte, falsch sortierte Artikel oder leere Regalplätze. Gather AI setzt Drohnen mit Computer Vision zur Inventur ein und beschreibt das Konzept als "warehouse intelligence". Quelle: Supply Chain Management Review.
LiDAR
Laser-basierte Abstandsmessung. Kein Erfassungs-, sondern ein Navigations- und Sicherheits-Sensor: Der Roboter mappt damit die Umgebung in 3D und vermeidet Kollisionen.
Navigation - so fährt der Roboter
SLAM (Simultaneous Localization and Mapping)
Verfahren, mit dem der Roboter die Lagerumgebung in Echtzeit kartiert und sich gleichzeitig darin lokalisiert. Vorteil: kein vorgegebener Pfad, keine festen Markierungen am Boden nötig. Standard bei modernen AMRs (Autonomous Mobile Robots).
Vorgegebene Routen / Reflektoren
Älteres Konzept: Bodenmarkierungen, Reflektoren oder vorprogrammierte Routen. Heute meist nur noch in Bereichen mit hoher Personensicherheit oder bei fest installierten ASRS-Systemen.
Drohnen ohne Infrastruktur
Corvus Robotics betont, dass die Drohnen vollautonom fliegen - ohne GPS, Wi-Fi oder Bluetooth-Beacons. Die Drohne navigiert visuell und per Inertialsensorik durchs Hochregal. Quelle: Honeywell Press.
Datenanbindung - so kommen die Daten ins System
Ein Inventurroboter ist nur so wertvoll wie die Schnittstelle zum vorhandenen Lagerverwaltungssystem (WMS) oder ERP. Die gängigen Integrationspunkte:
- SAP EWM (Extended Warehouse Management)
- Oracle Warehouse Management Cloud
- Manhattan Active WM
- Körber Supply Chain (vormals HighJump, Aberle)
- Eigene Cloud-Plattformen der Anbieter (z.B. Gather AI mit eigener Software-Schicht)
Die Honeywell-Corvus-Partnerschaft 2025 ist ein Beispiel: Honeywell-Software steuert das Bestands-Tracking, Corvus-Drohnen liefern die Daten. So lassen sich auch bestehende WMS-Installationen mit autonomer Inventur ergänzen.
Drohne vs. Bodenroboter vs. RFID-Plattform
| Bauform | Beispiel | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|
| Drohne | Gather AI, Corvus | Hochregal, schnelle Komplett-Scans | Akku-Laufzeit, Geräuschpegel, Wartung |
| Bodenroboter (AMR) | PAL StockBot, Locus | schwere Sensor-Last, lange Laufzeit | vertikale Reichweite begrenzt |
| Fest installierte Systeme | Exotec Skypod | extrem hohe Genauigkeit | hohe Investition, Standort fix |
Sicherheit und Mensch-Roboter-Kollaboration
Inventurroboter operieren überwiegend im laufenden Lagerbetrieb mit anwesendem Personal. Kollisionsvermeidung per LiDAR, akustische und visuelle Warnsignale und Soft-Stop-Logik sind Pflicht. McKinsey beschreibt in der Studie "Automation, robotics, and the factory of the future" den Trend zu "kollaborativen" Robotern, die ohne Sicherheitszaun mit Menschen arbeiten können. Quelle: McKinsey.
Energie und Ladekonzepte
Drohnen: typischerweise 15-30 Minuten Flugzeit pro Akku, Hot-Swap am Boden. Bodenroboter: induktives Laden oder Dockingstation, Laufzeiten bis 12 Stunden. Die Energie-Logistik ist beim Anbietervergleich oft entscheidender als die reine Sensor-Performance.
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